Die Alpinale rief zur Vorauswahl der V-Shorts, also der aus Vorarlberg eingereichten Filme – nun zählt Österreichs westlichstes Bundesland genausoviele Einwohner wie Island, hat aber bei weitem nicht dieselbe kraftvolle Filmindustrie. Dementsprechend quälend gestaltete sich die Durchsicht aller (!) Einreichungen … na ja, ich verliess nach der Hälfte der 28 Filme den Saal … zweimal “Bullshit!” und viermal “What’s the blooming message??” in meinen Notizen reichte mir. Ein paar Eindrücke:
Filmtitel: WELCOME TO CANDYLAND. Ein junger Mann mit Kapuzenshirt von hinten. Im Wald, er schreitet dahin. Schnitt: man sieht ihn von vorne, er entledigt sich seines Hoodies (dankeschön, frau sieht gern ein gutgebautes Bunny) und dann läuft er los, und er rennt und rennt … schöne pecs, nice sixpack … aber warum rennt er?? Irgendwann wird’s dann klar: Gesamtkunstwerk Jakob Kasimir Hellrigl aka Candy Ken hatte 5 Musikvideos zusammengeschnitten – von den in Frischhaltefolie eingewickelten Barbie-Dolls bis zum Körperkult im Kunsthaus durchaus sehenswert, auch unterhaltsam – Edeltrash halt (bis auf die Sequenz mit den 3Schwestern auf Speed – das erinnerte mich teilweise an billigste Bierwerbung). Jedoch: Das sind Musikvideos und gehören in kein Kurzfilmfestival.
Derselbe Regisseur eben jener Musikvideo-Parade hatte in seinem eigenen Film THE QUESTION – WHAT IS IT? eine des Englischen nur bedingt mächtige Schauspielerin in den point of losers gesetzt und Dinge zum Thema Liebe rezitieren lassen … in 43 Takes, laut eigener Auskunft, bis es denn endlich passte. Weil er nicht schneiden wollte. Ja, wie hätte er denn schneiden sollen, wenn die Dame eh bloss dasitzt und parliert? Köpfehüpfen und Weissblende? Als mir der Künstler bei meiner Flucht vom Ort des Wahnsinns im Lift begegnete, musste er sich die Frage gefallen lassen, was ihn denn geritten habe, so was zu machen: Es sei “ein Gedankensplitter” kam die Auskunft aus des Filmemachers bärtigem Munde. Na denn … Bitte, liebe Festivals, verseht solche “Splitter” in Zukunft mit dem Warnhinweis “könnte Kunst sein” – denn für mich gehört zur Filmkunst noch immer ein Ansatz von Anstand (zum Beispiel Untertitel, wenn ein schauspielendes Wesen die Sprache nicht beherrscht).
Bildlich brilliant gelöst (im Vorarlberger Dialekt gesprochen – mit deutschen und englischen Untertiteln) war für mich in meiner Hälfte des Gesehenen ein Streifen, der nur etwas zu viel Energie ins eigene Logo investiert hatte. ANIELL – so der Filmtitel und der Name des kleinen Mädchens, das seine Mutter fragt, wie’s im Bauch einer Schwangeren aussieht. “Viel Wasser” meint die Mutter und giesst solches in ein Gefäss. “Und das Baby? Wo ist das?” fragt die Kleine. Da schüttet die Mutter einen Goldfisch ins Gefäss … allgemeines Jöööö. Und dann fragt die Kleine: “Mami, was ist Abtreibung?” Die Kamera fährt zurück und man sieht, das Gefäss steht auf einem Mixer. Schwarzblende. Mixgeräusch. Genial! So erzählt Film Geschichten!
